Tagungen/Initiativen

 

Sektion des Deutschen Archäologen-Verbandes e.V. (DArV) auf dem

7. Deutschen Archäologiekongress, 3.10.2011 – 7.10.2011 in Bremen

 

Mittwoch, den 5.10.2011, 9.00–15.45 Uhr

Ansprechpartner im Organisationsteam: Beate Bollmann (b.bollmann@remove-this.t-online.de), Patricia Rahemipour (rahemipour@remove-this.gmx.de), Tobias Wachter (tobias.wachter@remove-this.proconventu.de)

 

„Archäologie kann Gesellschaft“

In der Vergangenheit haben Berührungsängste oder Zurückhaltung einen konsequenten Dialog zwischen Archäologie und Gesellschaft oft verhindert. Die aufkommende Diskussion über gesellschaftliche Partizipation, kulturelles Erbe und Deutungshoheit, aber auch politische Stagnation bzw. Veränderungen in den Partnerländern der deutschen Archäologie werfen jedoch die Frage auf, ob sich die Archäologie in diesen Fragen nicht stärker engagieren müsste. Es gilt, diese Prozesse zu erkennen, im Idealfall nachzuvollziehen und daraus Konsequenzen für die gesellschaftliche Verantwortung, die sich aus archäologischem Arbeiten ergibt, abzuleiten. Ziel der Sektion ist es, erste Ergebnisse als Ausgangspunkt für einen zukünftigen Dialog zu formulieren.

Um dem innovativen Thema den entsprechenden Kontext zu geben, wird die Sektion im Geist einer Open-Space-Konferenz durchgeführt. Alle Teilnehmer legen gemeinsam die Themen fest, die in kleinen Diskussionsrunden behandelt und protokolliert werden. Abschließend werden die Ergebnisse im Plenum zusammengeführt und als Konzeptpapier festgehalten.

 

Mögliche Themen und Fragen

Bisher vorgeschlagene Themenblöcke, die zusammen oder getrennt diskutiert werden können:

  • Was ist die gesellschaftliche Relevanz von Archäologie? Was „bringt“ sie der Gesellschaft? Wo greift die Archäologie in die Entwicklung der Gesellschaft ein?
  • Muss sich die Archäologie die Frage nach ihrer Relevanz überhaupt stellen, oder beruht diese bereits allein auf ihrer Funktion, zum Bewahren von Kulturgut beizutragen? Wenn ja, wer darf entscheiden, was bewahrenswertes Kulturgut ist?
  • Wer deutet das Kulturgut und für wen? Sollten ArchäologInnen hier die Deutungshoheit haben? Oder sollte es auch in der Wissenschaft eine Teilhabe der Gesellschaft geben?
  • Wie sieht die Rückwirkung gesellschaftlicher Ausprägungen auf die Archäologie aus?
  • Inwieweit sind die ArchäologInnen für die Darstellung von Geschichte und deren Bewertung verantwortlich bzw. können verantwortlich sein (z.B. mit Blick auf die Living-History-Gruppen wie Ulfhednar)?
  • Ist es eine Aufgabe von ArchäologInnen, die Gesellschaft in ihre Arbeit einzubeziehen, dabei aber die Deutungshoheit zu behalten?

 

Archäologie im Ausland:

Als der chinesische Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei kurz nach der Eröffnung der von deutschen Museen initiierten Ausstellung „Kunst der Aufklärung“ in Peking im April 2011 verhaftet wurde, sagte Kulturstaatsminister Bernd Neumann: „Wer sich auf dem Parkett der internationalen Kulturpolitik bewegt, muss sich immer bewusst sein, dass er gerade in unfreien Ländern ein Mandat als Anwalt der Freiheit – wo immer es geht – wahrzunehmen hat.“

Ergibt sich daraus auch eine Schlussfolgerung für die Archäologie?

  • Gilt das Gesagte nur für Vertreter der Kunst und für Kulturpolitiker oder nicht auch für Wissenschaftler? Sind Wissenschaftler, die im Ausland forschen nicht immer Teil der internationalen Kulturpolitik?
  • Darf man die gesellschaftliche Wirkung einer Grabung ausblenden? Gibt es so etwas wie „wissenschaftliche“ Neutralität? Oder leitet sich aus der Freiheit, in der wir leben, eine gesellschaftliche Verpflichtung ab? Inwieweit dürfen ArchäologInnen mit undemokratischen Staatssystemen zusammenarbeiten?
  • Und was für eine Schlussfolgerung würde sich daraus für das Verhalten der ArchäologInnen ergeben? Wenn man ganz auf eine Zusammenarbeit und einen Dialog verzichtet, ließe man kritische Denker in dem jeweiligen Land im Stich. Protestiert man zu sehr, riskiert man nicht nur den Rauswurf (Verlust von Grabungslizenzen oder gar Einreiseverbot), sondern bringt evtl. auch noch seine einheimischen Mitarbeiter und Partner in Gefahr.

 

Was ist eine Open-Space-Konferenz?

Typisch für eine Open-Space-Konferenz ist die inhaltliche und formale Offenheit. Sie ist anders als die üblichen Konferenzen mit einem vorgegebenem Programm und Vorträgen, die auf alle ein bisschen und doch auf niemanden richtig passen.

In einer Open-Space-Konferenz gibt es keine Tagesordnung. Zu Beginn der Veranstaltung werden von Moderatoren die Themen gesammelt. Alle Themen, die zu dem bewusst allgemein formulierten Oberthema passen, werden aufgenommen. Dabei wird keine Unterscheidung zwischen der Priorität der Themen oder deren Bedeutung getroffen. Jedes Thema wird anschließend in einer Gruppe diskutiert.

Dabei ist die Struktur einer Konferenz nach Open Space festgelegt. Diejenigen, die ein Thema vorgeschlagen haben, leiten die jeweilige Kleingruppe, in der diskutiert wird. Es gibt einen Protokollvordruck, der während der Diskussion ausgefüllt wird, um hinterher dem Plenum für die Entwicklung eines Konzeptpapiers zur Verfügung zu stehen. Weitere Regeln beziehen sich auf das konkrete Diskussionsverhalten, wie etwa respektvoller Umgang mit Gesprächspartnern, und werden am Tag der Konferenz für jeden sichtbar visualisiert.

Besonders für Open Space ist auch das „Herumflattern“. Die Teilnehmer müssen sich nicht auf eine Gruppe festlegen, sondern können von einer zur nächsten wechseln, oder eben in einer Gruppe bleiben, wenn sie das mögen.

Ziel einer Open-Space-Konferenz ist es, in kurzer Zeit mit einer großen Zahl von Menschen zu einem umfassenderen Thema  Aufbruchstimmung  zu erzeugen. Wesentliche Teilthemen können unter diesen Bedingungen innovativ und lösungsorientiert besprochen werden, damit daraus konkrete Projekte entstehen können.