AG Etrusker und Italiker

 

Arbeitsgemeinschaft "Etrusker und Italiker"

Die Klassische Archäologie betrachtete von Anbeginn ihres Bestehens neben der griechischen und römischen Kultur auch die der Etrusker als ihr Forschungsfeld. Während etruskologische Studien immer integrierender Bestandteil des Faches waren, zeitweise auch florierten, gerieten sie in den letzten Jahrzehnten, jedenfalls was die deutschsprachigen Länder betrifft, zunehmend in den Hintergrund. Die Etrusker und ihre materielle Hinterlassenschaft werden mittlerweile sogar zu so genannten Randgebieten der Klassischen Archäologie gezählt. Um die Erforschung von anderen Völkern des vorrömischen Italiens ist es in aller Regel noch deutlich schlechter bestellt. Dies ist insofern abträglich, als die Etrusker und ihre Nachbarn auf der Apenninenhalbinsel, auf Sardinien oder in Sizilien einen wesentlichen Faktor im historischen Gefüge des Mittelmeerraumes darstellten, dessen Geschichte und Kultur ohne Berücksichtigung dieser Völker zwangsläufig nur lückenhaft zu verstehen sind, auch die Entwicklung Roms ohne die Kenntnis des vorrömischen Italiens sich unserer Kenntnis nur in eingeschränktem Maße erschließt. Die Klassische Archäologie, in deren Zuständigkeit Studien zu den Etruskern und Italikern nach Art der verfügbaren Quellen naturgemäß gehören, und mit ihr die Altertumswissenschaften laufen somit Gefahr, ein wichtiges, wenn nicht sogar zentrales Forschungsfeld zu verlieren.

Dieser Entwicklung der letzten Jahrzehnte, die sich in jüngster Zeit aus mehreren Gründen noch verschärft hat, soll mit der Arbeitsgemeinschaft "Etrusker und Italiker" entgegengewirkt werden. Daß eine Stärkung dieses Forschungsfeldes offenbar auch einem vielfach empfundenen Bedürfnis entspricht, läßt sich an der großen Resonanz ablesen, welche die vom Deutschen Archäologen-Verband geförderte Tagung "Neue Forschungen zu den Etruskern" im November 2008 in Bonn sowie weitere einschlägige Initiativen der Bonner Kolleginnen und Kollegen in den Jahren 2008 und 2009 erfahren haben. Um diese Initiativen zum Auftakt für weitere Aktivitäten in diesem Bereich zu machen, wurde im Juni 2010 die Arbeitsgemeinschaft "Etrusker und Italiker" gegründet. Sie befaßt sich mit der Frage, wie dieses Forschungsfeld innerhalb des Faches wieder gestärkt und nachhaltig gefördert werden kann. Darüber hinaus bietet sie aber auch Raum für inhaltliche Auseinandersetzungen, wie sie schon von Anfang an geführt wurden und künftig noch stärker in den Vordergrund treten werden. Die Arbeitsgemeinschaft, die mittlerweile über vierzig aktive Mitglieder zählt, versteht sich als Forum für all Jene, welche sich mit Studien zum vorrömischen Italien beschäftigen oder dafür interessieren. Studierende der Klassischen Archäologie sind ebenso daran beteiligt wie Hochschullehrer und Mitarbeiter von Museen oder anderen Forschungseinrichtungen. Neue Mitglieder sind jederzeit herzlich willkommen!

Die Arbeitsgemeinschaft "Etrusker und Italiker" hat sich seit ihrer Gründung schon zweimal getroffen. Protokolle dieser Treffen sind hier verfügbar: Protokoll des Ersten Arbeitstreffens am 9.10.2010 in Wien (F. Bubenheimer-Erhart); Protokoll des Zweiten Arbeitstreffens am 21.5.2011 in Frankfurt am Main (N. Burkhardt). Weitere Treffen, die in etwa halbjährigen bis einjährigen Abständen an wechselnden Orten in Deutschland, Österreich und der Schweiz stattfinden und von Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft abwechselnd organisiert werden, sind geplant. Das nächste Treffen findet auf Einladung von Frau Dr. Anne-Viola Siebert am Samstag, dem 7. Januar 2012, im Kestner-Museum Hannover statt. Es ist einem wissenschaftsgeschichtlichen Thema gewidmet. Genauere Informationen dazu finden Sie in Kürze hier. Auch das vierte Treffen befindet sich bereits in Planung: Es wird von Frau Dr. Ellen Thiermann voraussichtlich noch im Jahr 2012 in Zürich durchgeführt. Dabei wird es um Methoden der Grabforschung gehen. Die genannten Themen bilden jeweils den inhaltlichen Schwerpunkt eines Treffens; darüber hinaus wird es aber stets auch genügend Raum für weitere Themen, Anliegen, Vorhaben, für fachlichen und persönlichen Austausch verschiedenster Art geben.

Über die Treffen der Arbeitsgemeinschaft hinaus werden an dieser Stelle einschlägige Informationen bereitgestellt, welche von ihren Mitgliedern gesammelt und laufend aktualisiert werden. Dazu zählen eine Liste der Qualifizierenden Arbeiten (N. Burkhardt) und ein Verzeichnis der Lehrveranstaltungen (S. Bruder) an deutschsprachigen Universitäten, eine Übersicht über aktuelle Aktivitäten der Museen (S. Lorenz, A.-V. Siebert) sowie eine Zusammenstellung laufender und geplanter Ausgrabungen, Surveys und Drittmittelprojekte (A. Henning). Zudem werden Vorträge und Tagungen hier angekündigt. Im Zusammenhang mit den für die Bereitstellung von Informationen notwendigen Erhebungen haben auch mehrere Institutionen und Soprintendenzen in Italien dankenswerterweise ihre Kooperation zugesagt. Eine Liste mit Links zu relevanten Websites runden die demnächst hier erhältlichen Informationen ab. Wir hoffen, dass die vielfältigen von den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft ausgehenden Aktivitäten zu einem neuerlichen Florieren dieses lange vernachlässigten Forschungsfeldes beitragen und den Völkern des vorrömischen Italiens den ihnen gebührenden Stellenwert in der Forschung des deutschsprachigen Raumes auch wieder längerfristig zu sichern helfen.    

 

Beiträge und Rückmeldungen senden Sie bitte an: Dr. Friederike Bubenheimer-Erhart, Institut für Klassische Archäologie der Universität Wien, Franz-Klein-Gasse 1, A – 1190 Wien, oder per Email.