Archäologie

 

Einleitung
Die Archäologie befasst sich mit den materiellen Hinterlassenschaften vergangener Kulturen aus prähistorischer und historischer Zeit. Sie wertet dazu Denkmäler, Bodenfunde und Schriftquellen aus, um das Bild einer geographisch und zeitlich begrenzten Kultur nachzuzeichnen. Im Zentrum stehen Fragen nach Gesellschaftsstrukturen, Wirtschafts- und Siedlungswesen, Formen des Alltagslebens, Totenbrauchtum, religiösen Vorstellungen und künstlerischen Entwicklungen.
Die archäologische Forschung in Deutschland hat sich im Laufe ihrer Geschichte in mehrere Einzeldisziplinen aufgeteilt.

Die verschiedenen archäologischen Disziplinen

Ägyptologie
Sie erforscht alle schriftlichen und materiellen Überreste der altägyptischen Zeit (Altes Reich bis zur Ptolemäerzeit) mit ihrer Geschichte, Kunst und Kultur. Ein deutlicher Schwerpunkt liegt dabei auf den Sprachen und schriftlichen Zeugnissen. Das Fach umfasst sowohl die ägyptische Archäologie als auch die Geschichte und Philologie.

Einführende Literatur: Erik Hornung, Einführung in die Ägyptologie (Darmstadt 1993).


Antike Bauforschung

Sie befasst sich mit der Architektur, d.h. einzelnen Bauten und ganzen Siedlungen, in der Antike. In Deutschland ist die antike Bauforschung weitgehend an Technischen Universitäten /Hochschulen angesiedelt und erfolgt im Rahmen der Forschung und Lehre zum aktiven Bauen.

Einführende Literatur: Georg U. Großmann, Einführung in die historische Bauforschung (Darmstadt 1993).


Archäologie des Mittelalters und der frühen Neuzeit
Sie hat sich aus der Ur- und Frühgeschichte entwickelt und konzentriert sich auf die Gewinnung und Auswertung der materiellen Hinterlassenschaften seit dem frühen Mittelalter als historische Quellen.

Einführende Literatur: Günter P. Fehring, Einführung in die Archäologie des Mittelalters (Darmstadt 1992).


Archäometrie

Archäometrie als Arbeitsfeld ist angesiedelt zwischen Geistes- und Naturwissenschaften und umfasst das Gebiet des Einsatzes naturwissenschaftlicher Methoden zur Lösung kulturhistorischer Fragestellungen. Zur Anwendung kommen diese naturwissenschaftlichen Verfahren dann, wenn mit rein geisteswissenschaftlichen Methoden keine oder nur ungenaue Ergebnisse erzielt werden können. Zu den Hauptforschungsfeldern der Archäometrie zählen Prospektion, Materialanalysen und Datierungsmethoden. Die Materialanalysen werden an organischen und anorganischen Werkstoffen durchgeführt. Im Vordergrund stehen hier meist Herkunftsbestimmungen, die Klärung von Fragen zur Klimageschichte oder Ernährung, technologische Fragen oder Echtheitsbestimmungen.

Einführende Literatur: Günther A. Wagner (Hrsg.), Einführung in die Archäometrie (Berlin 2007).


Biblische Archäologie

Sie wird auch als Palästina-Archäologie bezeichnet und konzentriert sich auf die materiellen Hinterlassenschaften des 2.-1. Jahrtausend v.Chr. in den Ländern der Bibel (besonders Israel, palästinensische Gebiete, Jordanien und Libanon).

Einführende Literatur: Volkmar Fritz, Einführung in die biblische Archäologie (Darmstadt 1993).


Christliche Archäologie / Byzantinische Archäologie 
Sie schließt sich zeitlich an das Forschungsgebiet der Klassischen Archäologie an. Die Christliche Archäologie befasst sich mit den materiellen Hinterlassenschaften der christlich geprägten Kulturen vom 4. Jahrhundert n. Chr. bis zum Ende des Byzantinischen Reiches im Jahre 1453. Dabei werden sowohl das Westreich mit dem Zentrum Rom, wie das Byzantninische Reich mit dem Zentrum Konstantinopel berücksichtigt.

Einführende Literatur: B. Brenk, Spätantike und frühes Christentum, PKG Suppl. 1 (Frankfurt 1977); F. W. Deichmann, Einführung in die christliche Archäologie (Darmstadt 1983).


Klassische Archäologie

Sie erforscht vor allem Kunst- und Baudenkmäler sowie andere materielle Zeugnisse der historischen Zeit im Mittelmeerraum und den Anrainerländern. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der griechischen und römischen Antike. Darüber hinaus beschäftigt sich die Klassische Archäologie mit den antiken Vorgängerkulturen (z.B. minoisch-mykenische oder etruskische Kultur) sowie den Nachbarkulturen (z.B. im phönizisch-punischen Raum, in Anatolien und im Nahen Osten). Der geografische und zeitliche Raum des Faches entspricht der Ausbreitung der griechischen und römischen Kultur. Ziel ist die Rekonstruktion und Kenntnisse der konkreten historischen Welt mit allen materiellen Aspekten des Lebens - also der "Lebenswelt", aber auch die Kenntnis der gegenständlichen Symbole kollektiver und individueller Sinnstiftung.

Einführende Literatur: Adolf H. Borbein, Tonio Hölscher, Paul Zanker (Hrsg.), Klassische Archäologie. Eine Einführung (Berlin 2009); Tonio Hölscher, Klassische Archäologie. Grundwissen (Darmstadt 2006); Ulrich Sinn, Einführung in die Klassische Archäologie (München 2000).


Provinzialrömische Archäologie
Sie befasst sich mit der Archäologie, Geschichte, Kunst und Kultur der Römer und der einheimischen Bevölkerungin den Provinzen des Römischen Reiches, d.h. in den Gebieten außerhalb des Kerngebietes des Römischen Reiches auf der italienischen Halbinsel. Ein Schwerpunkt der deutschen Forschung liegt dabei auf den germanischen bzw. nordwestlichen Provinzen des Reiches.

Einführende Literatur: Thomas Fischer (Hrsg.), Die römischen Provinzen. Eine Einführung in ihre Archäologie (Stuttgart 2001).


Ur- und Frühgeschichte (Prähistorie)
Sie erforscht die überwiegend noch schriftlosen Kulturen in der ganzen Welt und befasst sich mit deren materiellen Hinterlassenschaften von der Steinzeit bis ins Mittelalter. Die deutsche Forschung konzentriert sich vor allem auf Mittel-, Nord- und Osteuropa.

Einführende Literatur: Hans J. Eggers, Einführung in die Vorgeschichte (Berlin 2004); Hermann Müller-Karpe, Einführung in die Vorgeschichte (München 1975).


Vorderasiatische Archäologie

Sie beschäftigt sich mit den archäologischen Bodenfunden und Kunst- und Kulturdenkmälern der prähistorischen und historischen Kulturen, besonders der frühen Hochkulturen, im östlichen Mittelmeerraum und vorderasiatischen Raum. Ihr Arbeitsgebiet reicht über Iran bis nach Nordwest-Indien und in den persischen Golf und umfasst etwa den Zeitraum vom 10. Jahrtausend v. Chr. bis ins 7. Jahrhundert n. Chr.

Einführende Literatur: Hans Nissen, Geschichte Alt-Vorderasiens (München 2012); Michael Roaf, Bildatlas der Weltkulturen, Mesopotamien (Augsburg 2000).


Ungefähre Anzahl der Institute und Seminare der verschiedenen archäologischen Disziplinen an deutschen Hochschulen:

Archäologische Fächer:    
Ägyptologie 15  
Biblische Archäologie 4  
Christliche Archäologie 9  
Klassische Archäologie 31  
Provinzialrömische Archäologie 5  
Ur- und Frühgeschichte 27  
Vorderasiatische Archäologie 12  
    Summe: 103
Verwandte Fächer mit archäologischen Inhalten: 
Archäometrie 33  
Archäozoologie 2  
Baugeschichte 16
    Summe: 51
Verwandte altertumswissenschaftliche Fächer:  
Alte Geschichte 56  
Altorientalistik 15  
Klass. Philologie 37  
    Summe: 108